»WIR WERDEN ALS ORIGINAL GEBOREN UND STERBEN ALS KOPIE« (ARNO GRUEN)

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UNTERSCHIEDE ZWISCHEN KÖRPERPSYCHOTHERAPIE UND THERAPIE ALS KASSENLEISTUNG

 

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ZIELE DER KASSENTHERAPIE – ZIELE DER KÖRPERPSYCHOTHERAPIE

 

Unser Gesundheitssystem sieht in einer ›Störung‹ etwas, das stört – den Patienten und oder dessen Umwelt — und das daher mit Mitteln des Trainings und oft auch mit Medikamenten behoben werden sollte bis nichts mehr stört oder es zumindest keiner merkt.

Die ›Störung‹ das ›Fehl‹-Verhalten oder der Körper, der nicht mehr so funktioniert wie er soll, wird als Feind verstanden, den es zu bekämpfen und zu maßregeln gilt. Daher muss die Behandlung auch schnell gehen.

Aufgrund dieser Sichtweise werden ständig neue Krankheitsbilder ›entdeckt‹ und die Zahl der Ratgeber und Foren, in denen Erfahrungen und Strategien über diese ›Störungen‹ ausgetauscht werden, nimmt stetig zu.

›Heilung‹ bedeutet hier die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes: »Sie werden sehen, bald sind Sie wieder ganz der Alte.« 

»Hoffentlich nicht!« – ist die Perspektive der Körperpsychotherapie, denn der alte Zustand hat uns ja genau dahin geführt wo wir jetzt gelandet sind. 

Die meisten Menschen erleben ihr seelisches Leid nicht als ein aktives Wehren gegen etwas, das nicht mehr zu ihnen passt, sondern als eigenes Versagen. Wir schämen uns meistens für das was wir nicht können, was uns nicht gelingt und womit wir alleine nicht fertig werden. 

Eine Therapie zu beginnen ist daher oft vom Gefühl der Scham begleitet, und deshalb flüchten sich viele Menschen während einer Krise in Abschottung, Betäubung und Isolation. Das sind wiederum gerade die Faktoren, die uns überhaupt nicht weiterhelfen etwas Neues zu entwickeln.


 

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DAS VORGEHEN IN DER KÖRPERPSYCHOTHERAPIE

 

In der Perspektive der Körperpsychotherapie ist seelisches Leiden, innerer Aufruhr oder Zusammenbruch etwas, das es erst einmal anzuerkennen und zu respektieren gilt. Hier leidet jemand oder weiß nicht weiter und hat in der Regel schon viel versucht, um damit alleine fertig zu werden. Jetzt ist er oder sie am Ende angekommen.

Dort anzukommen ist schon nicht leicht. Dort auch noch zu verweilen ist in der heutigen lösungsorientierten Zeit kaum noch denkbar. Wir versuchen es hier trotzdem.

Schauen wir einmal, was passiert wenn keine Lösung bereit steht, es nicht weitergeht und keine neue Idee da ist. Betrachten wir einmal in Ruhe dieses Ende an dem der Organismus nach sehr viel Anstrengung angekommen ist und was im Körper vor sich geht, wenn nichts von dem bislang Bewährtem mehr trägt.

Die Therapeutin hat gerade am Anfang die Aufgabe, den Klienten dabei zu helfen, diese Gefühle besser aushalten zu können – gemeinsam sogar dort zu verweilen! 

Hier in der Tiefe gibt es nämlich sehr viel zu entdecken! Was hat mich eigentlich dahin gebracht wo ich jetzt bin? Was erlebe ich dort gerade? Was wäre, wenn ich so weitermachen würde? 

Körperpsychotherapie ermutigt dazu, die Verbindung zu sich selbst wieder einzugehen, insbesondere mit den Anteilen in uns die wir ablehnen, mit denen wir abgelehnt worden sind und die uns (noch) fremd sind. 

Körperpsychotherapie ist daran interessiert, Menschen zu helfen ihre somatischen Reaktionen zu entschlüsseln und ihnen trauen zu lernen – Zutrauen zu sich selbst!


 

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DAS PARADOX: KRANK WERDEN UM ZU GESUNDEN

 

Eine Krise in unserem Leben und unsere körperlichen Reaktionen darauf als den Versuch von Wachstum — im Sinne einer Erneuerung — zu begreifen ist eine enorme Provokation – sowohl für den gebeutelten Menschen, der in einer Krise steckt als auch für dessen Umgebung. Erschütterungen, die mit Schmerz, Wut, Angst, Unsicherheit, Verweigerung oder dem Mangel an Lust (etwas satt haben!) einhergehen werden in aller Regel pathologisiert — von uns selbst und von der Gesellschaft. Sie werden als Erkrankung verstanden, die es in erster Linie zu heilen gilt. Das ist ganz besonders dann der Fall, wenn sie bei Erwachsenen die Arbeitsfähigkeit bedrohen und bei Kindern die Schulpflicht und die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln gefährden. 

 

KRISE UND EINBRUCH — DER WUNSCH NACH ERNEUERUNG!

 

Besonders zu Beginn einer Körperpsychotherapie ist es das Ziel, dem Klienten dabei zu helfen, die eigenen körperlichen Reaktionen – vor allem die unerwünschten, also die sogenannten ›Symptome‹ – grundsätzlich als eine, wenn vielleicht auch nicht besonders geglückte, Form der Krisenbewältigung zu verstehen und annehmen zu lernen.

›Krisenbewältigung‹ deshalb, weil der Organismus mit der Produktion einer ›Störung‹ versucht, bei Gesundheit zu bleiben, also sein altes psychisches Gleichgewicht zu erhalten und sich nicht anders zu erneuern weiß. Und ›missglückt‹, weil ein großer Teil der eigenen Vitalität sichtlich eingeschränkt bleibt.

Statt des Ersinnens von Strategien, um das innere Durcheinander, die Erschöpfung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit möglichst schnell zu beheben und zum Verschwinden zu bringen, versuchen gute Körperpsychotherapeuten ganz im Gegenteil den Klienten zu ermutigen, in diesen Tiefen überhaupt ankommen.


 

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UMBRÜCHE UND ÜBERGÄNGE –
SIE GEHÖREN ZU UNSEREM LEBEN UND DIENEN DEM WACHSTUM!

 

Krisen markieren Umbrüche die notwendig sind, um sich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Wir durchleben sie in vielen Phasen unseres Lebens, überstehen sie in der Regel gut und gehen meist gestärkt daraus hervor. Sie erfordern eine Umgestaltung und Neuordnung unserer Person unserer Vorstellungen und Überzeugungen über die Welt.

Nicht auf jeden anstehenden Übergang – vom Kind zur Jugendlichen, Loslösung vom Elternhaus, berufliche Neuorientierung, erzwungene oder gewollte Trennungen, der Verlust geliebter Menschen, das Altwerden, schwere Erkrankungen, Unfälle usw. —  reagieren wir jedoch mit derartig starken somatischen Reaktionen, dass wir krank werden.

Krankheiten, ›Störungen‹, Stagnation, Erstarrung und Rückzug signalisieren, dass ein Übergang nicht gelingt.  Etwas in uns ist blockiert, und wir können nicht loslassen und uns so verändern, dass wir den neuen Schritt gehen können – das glauben wir zumindest.


 

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WAS BRINGT DEN MENSCHEN ZUR  THERAPIE? 

– Weckrufe! —

 

Meistens bringen uns Lebenskrisen, die wir mit den bewährten Strategien nicht bewältigen können, in diesen oft unfreiwilligen und schmerzlichen Aufbruch:

Eine Partnerschaft oder Liebe geht zu Ende – oder sie beginnt – und rüttelt uns durch.

Wir stehen am Anfang der Berufs- und Partnerwahl und wissen nicht zu entscheiden, was für uns das ›Richtige‹ ist. Wir trauen uns nicht. Was, wenn wir uns ›falsch‹ entscheiden?

Wir verlieren die Arbeitsstelle oder verlieren die Lust zur Arbeit zu gehen, weil sie uns nichts mehr gibt. 

Ein Kind droht uns zu entgleiten oder die Kinder sind erwachsen geworden und verlassen das Nest.

Jugendliche oder junge Erwachsene sehen sich mit Eltern konfrontiert, die sich nicht um ihr eigenes Leben kümmern können oder wollen.

Eine Krankheit oder ein Unfall verändern radikal unser Leben oder das unserer Partnerin oder unseres Partners. 

Der Tod von geliebten Menschen und uns nahestehenden Freunden wirft uns aus der Bahn und konfrontiert uns auch mit der eigenen Endlichkeit.

Wir werden Opfer einer Gewalttat oder erleiden ein anderes Trauma.

Wir machen Karriere, bauen ein Haus, haben Kinder und werden nicht froh.

Diverse Süchte, Alkohol, Drogen, Kaufräusche, Essverhalten, ein Leben in permanenter Action usw. befriedigen uns plötzlich nicht mehr, und stattdessen erleben wir eine innere Leere. 

Wir werden älter und sehen uns mit jedem runden Geburtstag mit unserer Begrenztheit konfrontiert und spüren dumpf im Inneren ein Bedauern über Versäumtes.

Wir gehen in den Ruhestand, fürchten uns vor der Ruhe oder müssen ganz im Gegenteil weiter arbeiten, weil die Rente nicht reicht und haben Angst vor Armut.

Wir können und wollen vielleicht auch nicht mehr eigenständig leben und sehen uns mit dem Umzug in ein Seniorenheim konfrontiert oder suchen nach Alternativen.

Diese und andere Ereignisse haben die Kraft, uns auf uns selbst zurück zu werfen und uns dadurch zu erneuern.

Das Alte und uns vertraute bricht weg oder funktioniert nicht mehr oder wir haben es schlichtweg satt, und wie es anders gehen kann wissen wir nicht – und können es auch nicht wissen, denn wir müssen tatsächlich etwas Neues in uns entwickeln und uns ein Stück weit neu (er-)finden. 

Körperpsychotherapie ist eine begleitete Expedition zu dem Unbekannten, Ungelebten und oft Ungeliebten in uns selbst. 

Ich bin dabei Begleiterin und auch Provokateurin. »Seien Sie froh, dass ich die Dinge nicht so sehe wie Sie!«